Portrait: Unsere Kathi wird Teamriderin bei Naish

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Die Hawaiianer verstärken in dieser Saison ihr Team mit Katharina (Kathi) Simon. Im Interview mit KMTV stellt sich die 24jährige aus Torgau an der Elbe vor und gibt uns einen kleinen Einblick in ihr Leben.

KMTV: Hallo Kathi, erst einmal herzlichen Glückwunsch. Warum hast du dich gerade für das Naish Team entschieden oder hat es sich für dich entschieden?

KATHI: Dankeschön. Es war meine Entscheidung für Naish und ihre Entscheidung für mich. 2011 war ich mit einem Freund zwei Monate in Brasilien. Wir hatten uns das Material geteilt. Unter anderem hatte er einen 8er Torch dabei. Ich weiß noch ganz genau, wie ich diesen Kite zum ersten Mal geflogen bin. Ich dachte, ich hätte alles verlernt, so fühlte es sich zumindest an. Für mich war der Kite aber genau das Richtige, denn ich liebe Herausforderungen. Ich entwickelte zu meinem „Torchi“ eine Art Hass-Liebe. An einem Tag gelang mir einfach alles und am nächsten Tag stand ich heulend am Ufer, weil nichts mehr funktionierte. Aber genau das hat mich so gereizt an dem Torch. Das Gefühl mit diesem extremen, radikalen Kite zu fliegen, ist einfach überwältigend.

2012 hatte ich kein eigenes Material, sodass ich viele Kites ausprobieren konnte. Nach all dem Ausleihen und Testen wurde es Zeit für, mich festzulegen, welchen Kite ich in Zukunft fliegen will. Die Entscheidung für NAISH fiel mir sehr leicht. Also habe ich das NaishTeam angeschrieben und gefragt, ob sie meine Kitesurf-Karriere unterstützen wollen und sie haben zugestimmt.

KMTV: Kannst du dich noch an den Moment erinnern, an dem du deine Leidenschaft für das Kiten entdeckt hast?

KATHI: Ja, als ob es gestern gewesen wäre. Ich habe nach meinem Abitur ein Jahr als Backpacker in Australien gelebt. Meine Faszination zum Sport begann als ich in Melbourne zum ersten Mal am Beach stand und dort auf den Ozean einen Kitesurfer beobachtete. Das Bild von diesem Kitesurfer in der Abenddämmerung auf dem weiten Ozean hatte sich in meinen Kopf gebrannt und mich nie wieder losgelassen. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Sport einmal mein Leben bestimmen wird. Nach ein paar Wochen in Australien und einigen nicht so tollen Schicksalsschlägen fand ich Obdach bei einem Australier und einer Deutschen in Adelaide. Zufälligerweise waren sie Kitesurfer. Sie nannten es Hospitalkiten, weil sie sich so oft verletzten. Einmal durfte ich dann Startassistent spielen und den Kite in die Luft schmeißen. Das tat ich dann auch so, wie gesagt und schon flog der Kite mit Kathi über den Strand. Aua! Das war meine erste Berührung mit einem Kiteschirm. Trotzdem hatte der Sport in mir Begeisterung geweckt.

Naish Teamriderin KathiKMTV: Erzähl uns von deiner ersten Kitestunde?

KATHI: Gelernt habe ich das Kitesurfen am Saaler Bodden. Ich erinnere mich daran, dass ich bitterlich, bitterlich fror. Es war der 2. Mai 2010. Auf dem Weg zum Spot lief durch das Radio die Wettervorhersage „…Außentemperatur 3 Grad, gefühlte Temperatur -5 Grad…“. Trotz der Eiseskälte hatte unsere Gruppe eine Menge Spaß. Mein Kurs dauerte drei Tage, doch irgendwie habe ich es nicht auf das Board geschafft. Also, es gibt Hoffnung für alle die, denen es so erging, wie mir.

KMTV: Wie oft trainierst du am Tag?

KATHI: Ich mache jeden Tag nach dem Aufstehen ein halbe Stunde ein Workout. Ich muss gestehen, so richtig trainieren tue ich eigentlich nicht. Ich gehe einfach kiten und mag es, neue Sachen auszuprobieren. Manchmal bin ich nicht zufrieden mit dem was ich kann. Dann will ich unbedingt noch mehr lernen. Das bringt mich voran. Ich liebe Freestyle, aber ich brauche auch Abwechslung, damit es nicht langweilig wird. Je nachdem, wie die Konditionen sind, schnapp ich mir auch mal ein Waveboard. Ich bin so oder so den ganzen Tag auf dem Wasser, weil ich Unterricht gebe. Manchmal fragen mich Leute, ob ich schon Schwimmhäute zwischen meinen Fingern habe. Ab und an nehme ich mir aber eine Auszeit, da man die starke Belastung seinem Körper schon anmerkt.

KMTV: Hast du einen Lieblingstrick?

KATHI: Eigentlich nicht. Je nachdem wie ich mich fühle, gelingen die Tricks oder auch nicht. Bei den Meisten kommt es drauf an, wie mutig man ist. Und dann ist der Trick, den ich an diesem Tag am besten Springe, auch mein Lieblingstrick. So einfach. Kiteloops haben bei mir aber eine besondere Stellung. Dieses Gefühl durch die Luft zu fliegen und am höchsten Punkt des Sprunges noch einmal richtig in die Vertikale gestreckt zu werden, ist schon unglaublich. Zurzeit folgen danach noch zu oft meine Bruchlandungen. Daran muss ich noch etwas pfeilen. Zu meinen Favourits gehört ein toller F16 oder ein schöner Railey.

Naish Teamriderin KathiKMTV: Was macht für dich einen „herausragenden“ Kitesurfer aus?

KATHI: Kitesurfer ist Kitesurfer. Jeder der mit dem Kite auf dem Wasser, an Land oder im Schnee unterwegs ist, sollte alle Sicherheitsregeln kennen und berücksichtigen. Jeder Kitesurfer sollte, egal ob es seine 10te Stunde oder seine 100ste Stunde ist, mit seinem Kite nie fahrlässig umgehen. Zu schnell wird man unachtsam und dann passieren schwere Unfälle. Da ich Tag täglich an einem Kitespot bin und dort wohne, musste ich schon häufig Kitesurfern in Not helfen, in die sie sich selber gebracht haben. Einen „herausragenden“ Kitesurfer mache ich nicht daran fest, wie gut oder schlecht jemand kitet. Ein „herausragender“ Kitesurfer ist für mich viel mehr jemand, der weiß, wie er mit seinem Material umgehen muss und weiß, wie er sich am Spot verhalten sollte und das auch tut. Respect the People and the Nature!

KMTV: Hast du Vorbilder?

KATHI: Jetzt muss ich mal überlegen. Eigentlich habe ich keine Vorbilder. Klar schaut man auf andere Kiter und sagt, oh guck mal, was der kann, möchte ich auch mal können. Jeder hat seinen eigenen Style auf dem Wasser und ich finde es toll, viele Menschen mit verschiedenen Styles kennenzulernen. Ab und zu guckt man sich ja doch was ab. Aber einen Namen nennen, wer ein Vorbild für mich ist, könnte ich nicht.

KMTV: Kathi, du reist derzeit viel in der Welt herum. Wie finanzierst du deine Trips?

KATHI: Auf meinen Reisen lege ich nicht so einen großen Wert auf einen hohen Lebensstandard. Ich bin sehr schnell mit wenig zufrieden. Mein Motto ist, hauptasche ich habe das Meer vor der Haustür, den Wind und die Sonne. Für mich ist das mehr Luxus als ein 5 Sterne Hotel. Auf diese Art braucht man nicht so viel. Ansonsten verdiene ich mein Geld als Kitelehrerin oder als Ski- und Snowboardlehrerin. Von meinen Eltern werde ich nicht finanziert. Darauf bin ich sehr stolz. So, das muss reichen, denn über Geld redet man ja in gewisser Weise nicht so gern.

KMTV: Gibt es einen Ort, an dem du am liebsten kitest?

KATHI: Ja, an meinem Homespot in Saal am Saaler Bodden. Der deutsche Sommer ist einfach der Beste, auch wenn man im Neopren kiten muss. Die Tage sind schön lang und man hat viel Zeit, um auf das Wasser zu kommen. Zudem bietet Saal ein riesen großes Flachwasser Areal. Rund um den Darß gibt es genügend Spots, die man anfahren kann. Dabei kann man zwischen Welle, Choppy Wasser und Flachwasser wählen. Alles ist schnell zu erreichen und bietet viel Abwechslung. Falls der Wind komplett weg ist, gibt es ganz in der Nähe eine Wakeboardanlage.

Naish Teamriderin KathiKMTV: Was machst du, wenn du nicht gerade kitest?

KATHI: Dann versuche ich irgendwie die Zeit rum zu bekommen, bis ich wieder kiten kann. Chillen in the Sun, schlaaaafen und vom kiten träumen. Ich kümmere mich gerne um mein Pferd Lady und gehe mit ihr ins Gelände zum Ausreiten. Eigentlich bin ich für jeden Blödsinn zu haben, sei es angeln gehen auf dem SUP oder mit dem Longboard irgendwo hin cruisen oder sich mit Freunden treffen. Im Winter gehe ich auch gerne Snowboarden oder Skifahren. Irgendwas fällt einem immer ein, hauptsache man hat Spaß.

KMTV: Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Möchtest du einmal Profi werden?

KATHI: Zukunft, das Wort gibt es in meinem Vokabelbuch nicht. Ich plane nicht gerne, denn es kommt sowieso anders, als man denkt. Ich möchte einfach alle Chancen nutzen, die sich mir im Leben bieten. Ich möchte auf jeden Fall eine Ausbildung irgendwo an der Küste machen. Was Ordentliches lernen, wie meine Eltern sagen würden. Dabei darf das Kiten aber auf keinen Fall zu kurz kommen. Ich möchte noch viele Länder bereisen. Ich würde gerne noch eine Tour durch Europa machen und in asiatischen Ländern kiten gehen oder in Nordamerika und und und.

Ob ich Profi werden möchte? Ehrgeiz habe ich, Leidenschaft zum Sport auch. In Kenia 2012/13 habe ich zum ersten Mal an einem Cup teilgenommen. Leider wurde er nach zwei Tagen aus Windmangel abgebrochen. Doch das Feeling und der Nervenkitzel vor einem Heat ist echt genial. Ein Amateur Race habe ich in Kenia auch schon bestritten. Unser tolles Team konnte den Sieg heimfahren. Ja, und gewinnen ist doch toll.

Ich werde versuchen, weiter Competitions mitzufahren, da es einfach Spaß macht, sich mit anderen Kitern und Kiterinnen zu messen und sich gegenseitig zu puschen. Aber ob ich so richtig, richtig professionell den Sport ausführen werde, weiß ich noch nicht. Wir werden sehen was die Zukunft bringt.

2016-12-25T22:45:27+00:00

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