Surfunfall in Ägypten – und was jetzt? 10 Tipps für deinen Surftrip

·4. April 2026·Afrika, Kitereisen·7 min·

Im September 2025 war ich zum fünften Mal für zwei Wochen in Soma Bay – mein jährliches Wingfoil-Trainingslager. Mein Ziel: Frontside 360 lernen. Alles lief gut, bis Freitag.

Wingfoil - Sprung - Surfunfall Tipps

Der Unfall: Ein Moment, der alles verändert

Hochmotiviert machte ich mich nach einem gesunden Frühstück direkt um 9 Uhr bei Surfmotion auf das Wasser. Der Wind kam morgens noch ziemlich ablandig, eigentlich wollte ich nur kurz um die Landzunge zum Hotelstrand meines Kumpels fahren, um dort in der Bucht vor dem Palm Royale zu surfen. Doch dann sah ich die vielen Touristen im kleinen Yachthafen, die gerade auf die Tauchboote warteten. „Da kann man doch mal eben zeigen, was man kann”, dachte ich mir.

Also Kurs genommen, auf eine gute Böe gewartet, erster Schlag nach links, sauberes Jibe, Füße in die Footstraps – und Absprung. Leider rutschte ich in dem Moment aus den Schlaufen, verlor das Board und flog mit voller Wucht mit der rechten Fußsohle direkt darauf. Der Schmerz war sofort da, und als ich zur Wunde schaute, wusste ich: Das ist übel. 

Jetzt hieß es Ruhe bewahren: Erst die Leashes entwirren – Boardleash und Wingleash trennen, dann die Boardleash, die sich um den Foil-Mast gewickelt hatte, lösen. Das hat gefühlt eine Ewigkeit gedauert. Schließlich paddelte ich auf Knien mit dem Board an Land, sicherte Wing und Board am Strand und hielt den Fuß noch einmal ins Wasser, um besser zu sehen, was los war. Eine etwa 10 cm lange, tiefe und breit klaffende Schnittwunde, aus der das Blut pulsierte.

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Auf dem linken Bein hüpfend und humpelnd legte ich die 250 Meter zurück zur Station. In meinem Kopf überschlugen sich die Gedanken: Wie erfahre ich meinen Kumpel am Strand? Wo sind meine trockenen Klamotten? Wer holt mein Material vom Strand? Wie viel Geld habe ich auf der Kreditkarte? Wie komme ich ohne WLAN im Krankenhaus an mein Handy? Und vor allem der Ärger darüber, warum das ausgerechnet jetzt passieren musste.

Ein Beachboy sah meinen Zustand sofort und reagierte blitzschnell. Er holte Tücher und den Erste-Hilfe-Kasten, mit denen wir die Blutung auffingen. Er reinigte die Wunde mit Wasser, legte eine rote Tinktur darauf, die die Blutung etwas stoppen sollte, und sagte klar: „Das muss genäht werden.” Er nahm mir Helm und Handschuhe ab, verband die Wunde provisorisch, und ich zeigte ihm mein Material am Strand. „Kein Problem, das holen wir gleich”, sagte er. Kurz darauf kam der Manager dazu, und wenig später fuhr ein Club-Car vom Palm Royale Hotel vor, um mich abzuholen.

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Behandlung, Versicherung und Wochen auf Krücken

Der Fahrer brachte mich direkt zum Arzt im Palm Royale. Ich kam schnell dran, der Verband wurde abgenommen, und der Arzt schaute sich die Wunde an: „Oooh, that looks very bad!” Er machte deutlich, dass genäht werden muss. Meine Horrorvorstellung – Krankenwagen nach Hurghada, stundenlanges Warten, Sprachbarrieren und dann eine heftige Rechnung – schien sich zum Glück nicht zu bestätigen. Stattdessen signalisierte er, dass er die Naht direkt hier in der kleinen 24/7-Klinik des Hotels durchführen würde. Er zeigte mir eine detaillierte Preisliste mit vielen Posten, darunter 85 Euro pro Nähstich, und forderte das benötigte Material an. Zuerst wurden Blutdruck und Blutzucker gemessen, die Wunde intensiv gereinigt, dann kam die Betäubung – das waren bestimmt 10-12 extrem schmerzhafte Spritzen.

Ich musste 1.000 Euro als Deposit auf ein deutsches Bankkonto der 24/7-Klinik überweisen – diese Kette betreibt mehrere kleine Kliniken in Touristenhotels am Roten Meer. Ich bekam diverse Tabletten, Antibiotika, entzündungshemmende Mittel und 600er Ibuprofen für die Nacht sowie ein Paar Krücken, ohne die ich völlig hilflos gewesen wäre. Um 9:15 Uhr war der Crash passiert, um 11:30 Uhr saß ich bereits wieder mit meinem Kumpel beim Mittagessen in unserer Burgerbude am Pool – genäht, medizinisch versorgt und mit dem Gefühl, nicht abgezockt worden zu sein. Vor allem musste ich nicht mit dem Krankenwagen nach Hurghada, wovor ich großen Respekt hatte.

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Am nächsten Tag um 12 Uhr war der nächste Termin mit Infusion und weiteren 1000 Euro Überweisung – die Gesamtrechnung sollte sich auf etwa 2060 Euro belaufen. Ab da musste ich täglich zur Desinfektion und zum Verbandswechsel kommen. Noch am Nachmittag des Unfalltags meldete ich mich bei meiner Auslandskrankenversicherung. Sie sagten mir, ich solle keine Zahlungen leisten, ein Korrespondent würde sich vor Ort melden. Der Anruf kam nie, und ich musste letztlich alle 2845 Euro selbst zahlen – im Ausland bekommst du ohne Vorauszahlung oft keine Behandlung.

Zwei Tage nach dem Unfall rief eine deutsche Chirurgin im Auftrag der Versicherung an. Ich schickte ihr per WhatsApp Bilder der Wunde, sie betreute mich kurz telefonisch, dann kam der Hammer: „Jetzt müssen wir auf die Kosten achten.” Sie wollte mich überreden, mich mit Krücken in ein Taxi zu setzen, in die nächste Apotheke zu fahren, Verbandsmaterial zu besorgen und die Wundversorgung selbst auf dem Zimmer zu übernehmen. Wie sollte ich das allein hinbekommen, und vor allem: Wie erkenne ich, ob sich eine gefährliche Entzündung oder gar eine Sepsis entwickelt? Ich kenne mehrere Fälle von Surfunfällen in Ägypten, bei denen Leute anschließend sieben Wochen im Krankenhaus lagen. Ich lehnte dankend ab und ging danach gar nicht mehr ans Telefon.

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Der ägyptische Arzt hat mich wirklich gut versorgt, und ich bin ohne Komplikationen zurück nach Deutschland gekommen. Dort bestätigte die Ärztin im Unfallzentrum, dass die Naht qualitativ hochwertig war. Leider habe ich bis heute lediglich 2000 Euro der vollen 2845 Euro erstattet bekommen – mit der Begründung, man habe mir ja gesagt, ich solle nichts zahlen. Ich legte Widerspruch ein und übergab den Fall meinem Anwalt. Leider warte ich immer noch auf den Rest. 

Im Nachgang habe ich mir viele Gedanken gemacht, was gut gelaufen ist und was man hätte besser vorbereiten können, für den Fall der hoffentlich nie eintritt. Daher hier meine 10 wertvollen Tipps.

10 Tipps aus meiner Erfahrung

1. Surf-spezifische Auslandskrankenversicherung wählen  

Prüfe vorab genau, ob Kitesurfen, Wingfoilen oder Windsurfen explizit abgedeckt sind – viele Standardtarife schließen Extremsportarten aus. Achte auf Direktabrechnung vor Ort (spart Vorauszahlungen) und Rücktransport, der „medizinisch sinnvoll” ist, nicht nur „notwendig”. Ich musste 2845 € selbst zahlen, weil der versprochene Korrespondent nie kam – vergleiche Anbieter wie AXA Schengen oder HanseMerkur Sports, die Surfer verstehen.

2. Finanzielle Notfallpuffer einplanen

Ägyptische Kliniken verlangen oft Vorkasse in bar oder per Karte, bevor sie behandeln. Stelle sicher, dass dein Kreditkartenlimit 5000 €+ beträgt und du Kopien von Versicherungspolice, Pass und Notfallnummern offline (Cloud/ausgedruckt) dabei hast. Meine Deposits beliefen sich auf 2000 € – ohne flexible Finanzen wärst du schnell in der Klemme.

3. Spot-Briefing und Buddy-System ernst nehmen  

Bei Surfmotion immer Gefahrenzonen (Yachthafen, Riffe, ablandiger Wind) und Rettungswege abfragen, egal wie erfahren du bist. Fahre nie solo – ein Buddy, der deinen Standort kennt, organisierte bei mir Essen, Transport und den Rückflug. Allein mit Krücken und Boardbag im Resort? Unmachbar.

4. Equipment vor jeder Session systematisch kontrollieren  

Leashes, Footstraps, Foil-Kanten, Quick-Releases und Schrauben prüfen – scharfe Kanten polstern oder Handschuhe tragen. Helm und Impact-Veste sind Pflicht. Mein Board verursachte den Schnitt; regelmäßige Checks minimieren dieses Risiko enorm und verhindern Folgeprobleme nach Crashes.

5. Showfahren vor Publikum lassen  

Adrenalin und Zuschauer (Touristen am Hafen) führen oft zu riskanten Entscheidungen. Mein „schnell demonstrieren” endete im Crash. Übe Tricks wie 360er in sicheren Zonen mit viel Raum zur Hilfe.

6. Nach harten Einschlägen bewusst pausieren  

Müdigkeit und wiederholte Crashes reduzieren Konzentration und Reflexe – genau dann steigt das Unfallrisiko. Die Tage vor meinem Crash waren schon hart, trotzdem hab ich weitergepusht. Plane Sessions mit Pausen; rechtzeitig auszusteigen schützt langfristig mehr als Durchhalten.

7. Im Ernstfall zuerst Ruhe bewahren und Material sichern  

Blut im Wasser? Leashes trennen (Boardleash vom Foil), ruhig ans Land paddeln, Wunde mit Meerwasser spülen und Druckverband anlegen. Ich brauchte 20 Minuten bis zur Station – Panik hätte alles verschlimmert. Struktur statt Hektik rettet Zeit und minimiert weitere Verletzungen.

8. Sofortige Hilfe an der Station annehmen  

Beachboys oder Stationspersonal sind auf Surfunfälle eingestellt: Tücher, Desinfektion, provisorischer Verband stabilisieren bis zum Arzt. Lass „hart sein” sein – meine Wunde wurde schnell versorgt, was Infektionen verhinderte. Je früher die Erstversorgung, desto besser das Ergebnis.

9. Jede Behandlung und Kosten lückenlos dokumentieren  

Fotos von Wunde, Rechnungen, Medikamentenlisten, Arztberichte – alles für die Versicherung aufbewahren. Mein Fall zeigt: Vor Ort geht’s um Behandlung, später um Nachweis. Bei Streit (meine teilweise Erstattung) hilft präzise Dokumentation und Widerspruch mit Anwaltandrohung.

10. Heilung geduldig angehen, Nachsorge planen  

Fußsohlenwunden brauchen 8-10 Wochen bis Volllast; Krücken, kein Wasserkontakt, tägliche Kontrolle sind Pflicht. Buddy-Support für Mobilität organisieren, zu Hause nachchecken lassen. Mein La-Palma-Trip wurde Trockenurlaub – Geduld zahlt sich aus.

Diese Lektionen machen deinen Trip sicherer. Bereit für Soma Bay?

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